Über mich
Ich bin Vater von drei wunderbaren Jungen, zwei davon Zwillinge. Mein dritter Sohn wurde nur eineinhalb Jahre später in Rio de Janeiro geboren, wo ich drei Jahre mit meiner Familie gelebt und an der Deutschen Schule gearbeitet habe.
Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, wird mir klar, dass dort etwas begonnen hat, das mein Leben nachhaltig verändert hat. Durch meine Kinder – und später auch durch die Trennung von ihrer Mutter – bin ich auf eine Weise mit mir selbst in Kontakt gekommen, die ich vorher so nicht kannte. Viele meiner Themen waren mir schon früher bewusst, allerdings vor allem auf einer eher rationalen, fast „verkopften“ Ebene. Ich konnte viel verstehen, analysieren und einordnen. Was mir fehlte, war das wirkliche Erleben.
Erst durch das Vatersein und die Dynamiken in meinen Beziehungen wurde ich zunehmend damit konfrontiert, wie sehr meine eigene Geschichte in mir weiterwirkt. Ich bin in einer eher patriarchal geprägten Familie aufgewachsen. Die Dominanz meines Vaters und die Ohnmacht meiner Mutter haben Spuren hinterlassen, die ich lange unterschätzt habe. Auch heute zeigt sich manches davon noch, besonders in meinen Partnerschaften. Es ist ein fortlaufender Prozess, das zu erkennen, anzuerkennen und anders damit umzugehen.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie schwer es mir als jungem Vater fiel, ein Nein meiner Kinder zu hören und zu akzeptieren. Ich erlebte mich damals oft als grob und laut, wurde schnell wütend und erschrak immer wieder über mich selbst. Damit ging eine heftige Scham einher. Wie konnte ich nur etwas tun, unter dem ich selbst als Kind so gelitten hatte? Gerade diese schmerzhaften Momente haben mich gezwungen, genauer hinzusehen. Die Auseinandersetzung mit meiner Wut und meiner Aggression war nicht leicht, aber sie hat mir einen anderen, bewussteren Umgang damit ermöglicht.
Ein Satz, der mich bis heute begleitet
„Ein Mann ist eine Brücke zwischen zwei Vermächtnissen – dem, das er geerbt hat,
und dem, das er weitergibt.“
Dieser Satz von Terry Real ist für mich zu einer inneren Orientierung geworden. Ich möchte verstehen, was ich übernommen habe, und bewusst gestalten, was ich weitergebe. Gleichzeitig ist mir wichtig, meine Eltern in diesem Zusammenhang nicht zu verurteilen. Ich empfinde große Dankbarkeit für das, was sie mir mitgegeben haben, und bin überzeugt, dass sie zu jeder Zeit ihr Bestmögliches getan haben – mit dem Wunsch, das Leben für ihr eigenes Kind erträglicher zu machen als das eigene.
Ein wesentlicher Schritt auf meinem Weg war die Hinwendung zu erfahrungsorientierter Arbeit. Durch bioenergetische Therapie, körperorientierte Ansätze und intensive Selbsterfahrungsprozesse habe ich begonnen, mich nicht nur zu verstehen, sondern mich tatsächlich zu erleben – mit all dem, was dazugehört. Besonders geprägt hat mich die Zeit an der Osho Humaniversity in Egmond aan Zee in Holland. Dort habe ich einen Zugang zu mir selbst gefunden, der über Konzepte hinausgeht. Die Arbeit und die Menschen dort begleiten mich bis heute und prägen meine Seminare sowie meine Begleitung von Gruppen in Haltung, Präsenz und Arbeitsweise. In diesem Rahmen habe ich den Sannyas-Namen Nityam angenommen, unter dem ich vor allem in meiner Arbeit mit Meditationen und Seminaren auftrete. Nityam – fortwährende Liebe – ist für mich mehr als ein Name: eine klare Entscheidung, wie ich mir selbst und anderen begegne.
Mein Weg in die Begleitung von Paaren und Männern
Beruflich bin ich ursprünglich Lehrer für Mathematik und Sport und arbeite bis heute mit großer Freude an der Schule. Ich liebe es, Pädagoge zu sein und mit Jugendlichen in Kontakt zu sein. Die Arbeit mit jungen Menschen, ihre Eigenheiten, ihre Entwicklung und auch ihre Herausforderungen berühren und bereichern mich seit vielen Jahren. Gleichzeitig hat sich mein beruflicher Fokus in den vergangenen Jahren zunehmend in Richtung Paar- und Familienberatung verschoben.
Ich begleite heute vor allem Paare und Männer in Veränderungsprozessen. Dabei fließen unterschiedliche Einflüsse zusammen: die Haltung von Jesper Juul, die mein Verständnis von Gleichwürdigkeit und Beziehung stark geprägt hat, die Relational Life Therapy nach Terry Real, die immer mehr zu meinem therapeutischen Zuhause wird, sowie sexualtherapeutische Impulse nach Ulrich Clement. Entscheidend ist für mich dabei weniger die Methode als die Bereitschaft, sich ehrlich mit sich selbst und dem Gegenüber auseinanderzusetzen.
Ein zentraler Bezugspunkt meiner Arbeit ist die Überzeugung, dass es Kindern nur so gut gehen kann, wie es den Erwachsenen geht, die sie begleiten. Vor diesem Hintergrund liegt mir die Qualität von Paarbeziehungen besonders am Herzen. Das gilt sowohl für bestehende Beziehungen als auch für Situationen, in denen ein gemeinsamer Weg zu Ende geht. Auch Trennungen brauchen einen achtsamen Rahmen, damit sie nicht unnötig Verletzungen hinterlassen, die über Generationen weiterwirken.
Meine eigene Lebenssituation ist dabei nicht losgelöst von dem, was ich vermittle. Ich lebe in einer Patchwork-Familie und darf mich glücklich schätzen, dass es uns gelingt, trotz aller Herausforderungen einen respektvollen und tragfähigen Umgang miteinander zu gestalten. Meine Partnerin, mit der ich auch gemeinsam Paarseminare anbiete, ist für mich eine wichtige Stütze und zugleich ein Gegenüber, an dem ich selbst immer wieder lerne. Mit ihr erlebe ich Beziehung als lebendig, bewusst und auf Augenhöhe. Diese Erfahrung ist für mich persönlich ein großes Geschenk und fließt zugleich unmittelbar in meine Arbeit ein.
Die Auseinandersetzung mit meinen eigenen Beziehungsweisen bleibt für mich ein offener Weg. Sie fordert mich heraus, sie konfrontiert mich, und sie bereichert mein Leben zugleich auf eine Weise, die ich nicht missen möchte. Genau aus dieser Erfahrung heraus begleite ich heute andere Menschen in ihren Prozessen.
Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast, bis hierher zu lesen und mehr über mich und meinen Weg zu erfahren. Ich freue mich, dich kennenzulernen.
Herzlich
Mario

